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Konzertbesprechung @cetera
"Kulturelle Metamorphosen - Europa und Japan"
Die Academia Allegro Vivo im Festspielhaus St. Pölten,
28. Februar 2002
Die Metamorphose des Tonkünstler-Kammerorchesters zur Academia Allegro Vivo ist vollzogen. Das Ensemble unter Gründer, Geiger und Dirigent Bijan Khadem-Missagh brilliert wie eh und je. Nun sind die Musiker aber musikalische Botschafter des Festivals Allegro Vivo und suchen dem Geist des Festivals entsprechend den Dialog mit verschiedenen Kulturen. Dies ist der Academia Allegro Vivo bei Ihrem Geburtstagskonzert im Haydnsaal des St.Pöltner Festspielhauses am 28. 2. 02 wunderbar gelungen. Europäische klassische Musik und japanische klassische Musik begegneten einander.
Mit Mozarts Divertimento D-Dur KV 136 bewies das Orchester, dass es unter neuem Namen die Wurzeln im Wiener Klangstil noch deutlicher macht und die Spielfreude nach vollzogener Verwandlung größer geworden ist.
Die drei folgende Stücke des Programms waren für das Publikum Neuland, weshalb der Shakuhachi-Spieler Dieter Tairyuu Strehly einfühlsam in die Werke einführte. Zu hören waren Sunae für Koto-Duo von Tadeo Sawei (1937 - 1997), Kogarashi für Shakuhachi von Nakao Tozan (1876 - 1956) und Sandan für Koto, Taiko und Shakuhachi von Genij Hisamoto. Schon im ersten Werk für Koto (Wölbbrettzither) - Duo entführten die beiden Spielerinnen Kyoko Adaniya-Baier und Gaby Zechmeister in unbekannte Klangwelten. Das Shakuhachi, eine fünflöchrige Babusflöte, war ursprünglich das Instrument der Zen-Mönche und fand erst später Eingang in die klassische japanische Musik. Dieter Tairyuu Strehly machte als Interpret deutlich, wie mystisch diese Instrument ist. Der Spieler geht atmend in den Tönen auf und überträgt die Luftschwingungen aufs Publikum, das sich plötzlich als Klang fühlt.
Mit den 7 Haikai für Streichorchester und Schlagwerk von Karl Heinz Füssl (1924 - 1992) wurde wieder die Brücke zu Europa geschlagen. Die sieben kurzen Orchesterstücke haben jeweils ein Haiku als Inspirationsquelle. Vor den Stücken wurde das dazugehörige Haiku deutsch und japanisch gelesen, wodurch die Metamorphose vom Wort zum Ton erlebbar wurde. Die Schranken der Sprache wurden durch die Musik aufgehoben. Musik ist grenzenlos verständlich. Füssl hat in den Stücken die Endlichkeit des Menschen und seine Sehnsucht nach Unendlichkeit musikalisch dokumentiert. Khadem-Missagh, mehr als Dirigent, atmet mit seinen Musikern, gibt ihnen den soliden Halt, damit sich jeder Streicher einzig auf sein Spiel einlassen kann, das zum vollendeten Zusammenspiel wird. Das Publikum darf sich in der Musik glücklich verlieren.
Das Schlussstück des Abends, die Metamorphosen, Studie für 23 Solo-Streicher, von Richard Strauss entließ das Publikum in nachdenklich, feierlicher Stimmung. Und gefeiert wurde auch nachher im Foyer. Landesrat Sobotka beglückwünschte die Academia Allegro Vivo und ließ sich mit Musikern und Publikum die Geburtstagstorte schmecken.
Am 21. März steht die Begegnung von Europa und China, am 25. April die Begegnung von Europa und Indien auf dem Programm.
Doris Kloimstein
http://www.litges.at/etcetera/kritik.htm
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